Anbraten und Schmelzen
Nachdem im letzten Kapitel die Wirkung von heißem und kochendem Wasser auf ein Stück Fleisch illustriert wurde, wird in diesem Kapitel die Temperatur noch ein Stück erhöht. Das Fleisch wird ohne den Kontakt von Wasser in einer Pfanne gebraten. In einem Temperaturbereich von 140 Grad und darüber hinaus werden so genannte Maillard-Reaktionen enorm beschleunigt und bereits nach kurzer Zeit ist die Fleischoberfläche gebräunt und mit duftenden Röststoffen überzogen. Damit der Bräunungsprozess nicht unterbrochen wird, ist es wichtig, dass beim Anbraten aus dem Bratgut austretende Flüssigkeit schnell verdampft und nicht wieder, zum Beispiel über einen aufgelegten Deckel zurück in die Pfanne kondensiert. Wasser, insbesondere wenn es verdampft, reduziert die Oberflächentemperatur der Pfanne. Es kühlt sie ab und das Fleisch brät nicht mehr, sondern es gart im Wasser und Wasserdampf bei Temperaturen um die 100 Grad. Wasser ist ein Feind des Bratens! Beim Anbraten von Hackfleisch lässt sich dieses Phänomen schön beobachten. Zuerst brutzelt das Fleisch heftig in der Pfanne, doch nach einer Minute hat sich auf dem Pfannenboden eine Wasserpfütze gebildet und die Fleischkrümel dünsten vor sich hin und bekommen keine braune Kruste. Erst wenn das Wasser wieder verdunstet ist und sich die Temperatur wieder erhöht hat, beginnt das Fleisch wierder zu bräunen. Die Eigenschaft von Wasser, die Temperatur zu begrenzen, kann aber auch bewusst genutzt werden, den Bräunungsprozess bei empfindlichem Bratgut zu kontrollieren oder ihn ganz zu vermeiden. Doch dazu gleich mehr.
Zum Anbraten braucht man etwas Fett oder Öl, die als dünner Film das Bratgut und die Pfanne überziehen und einerseits das Ankleben in der Pfanne teilweise verhindern, anderseits die Wärme effektiver und gleichmäßiger vom Pfannenboden an das Bratgut weiterleiten. Wenn dessen Oberfläche nicht "glatt" auf dem Pfannenboden aufliegt, dann hilft die Zugabe von Fett, die "Luftkissen" darunter durch das flüssige Fett zu verdrängen und die Wärme vom Boden aufzunehmen. Allerdings eignen sich nicht alle Fette und Öle zum Anbraten gleich gut. Kaltgepresste, hochwertige Öle verbrennen bereits bei geringen Brattemperaturen, zum Beispiel erreicht Distelöl schon bei 150 Grad seinen Rauchpunkt. Andere Fette, wie zum Beispiel Butter, enthalten noch viel Wasser (um die 15%) und Proteine, so genannte Kaseine, die schnell verbrennen. Nachdem die Butter geschmolzen ist, verhindert das Wasser in der Butter zunächst, dass die Temperatur weiter ansteigt. In der Pfanne spritzt es durch das Verdampfen des Wasser. Ist alles Wasser verdampft, dann steigt die Temperatur schnell über 100 Grad an und die denaturierten Eiweißklümpchen werden braun und dann schnell schwarz. Hoch erhitzbare, relative geschmacksneutrale Alternativen sind Kokosfett und Erdnussöl, die sich auch zum Frittieren eignen. Olivenöl benutzte ich nur dann, wenn Olivenöl wichtig für den Geschmack ist oder bei moderaten Temperaturen, zum Beispiel zum Dünsten und Anschwitzen.
Je kleiner etwas geschnitten ist, desto schneller verbrennt es in der Pfanne. Je kleiner die Stücke sind, desto weniger kann die Hitze in noch kühle Regionen abgeleitet oder über die Oberfläche wieder abgegeben werden. Deshalb kann es schnell passieren, dass Zwiebeln in der Pfanne dunkle Spitzen bekommen, sonst aber völlig blass bleiben. Knoblauch sollten Sie nie durch eine Presse in heißes Fett geben. Flüssigkeit, die beim Pressen aus dem Knoblauch austritt, verbrennt sofort und bekommt einen leicht bitteren Geschmack.



